Rückblick auf sechs Jahre Regionalliga Nord
In der Regionalliga zwischen 1994 und 2006 zählte der SCP eigentlich schon zum festen Inventar. Zwischen 2000 und 2006 waren sie Teil der neuen, zweigleisigen Regionalliga Nord. Im Sommer 2006, ausgerechnet im Jubiläumsjahr des SC Preußen, stiegen die Adler erstmals in ihrer Geschichte in die Viertklassigkeit ab. Das soll aber hier kein Thema sein - hier ein kurzer Rückblick auf die sechs Jahre Regionalliga Nord...Fast aufgestiegen - die Saison 2000/2001
Unter dem damals noch recht unbekannten Trainer Stefan Grädler (heute Manager bei RW Ahlen) rutschten die Adler hauchdünn am Zweitliga-Aufstieg vorbei. Erst im vorletzten Spiel der Preußen ging der Aufstieg flöten. Es war das Spitzenspiel der Liga: Fortuna Köln gegen Preußen Münster. Rund 4000 Preußen reisten mit ins Südstadion, sie sahen ihren SCP in Führung gehen. Doch am Ende reichte es nur zu einem 1:1. Damit konnte der SV Babelsberg am SCP vorbeiziehen und stieg am Ende auf...
Ein Blick ins Südstadion beim entscheidenden Spiel... hier noch mit der Preußen-Führung.
Dabei hatte die Saison durchaus stockend begonnen. Verwirrende Ergebnisse waren die Regel, darunter ein 1:6 in der Krefelder Grotenburg oder ein 0:3 in Essen. Der negative Höhepunkt war ein bitteres 1:4 beim Lüneburger SK im Spätsommer. Anschließend berappelten sich die Preußen und arbeiteten sich von hinten an die Spitze heran.
Eines der emotionalsten Auswärtsspiele war die Tour zum Spitzenteam VfB Lübeck. Die Preußenfans reisten mit einem Sonderzug an, rund 600 allein darin und mit einer gewaltigen Pinkelpause auf offener Strecke (Foto links). Am letzten Spieltag bestand nur noch eine theoretische Chance - ausgerechnet der designierte Aufsteiger Babelsberg schaute vorbei. An einem regnischen Tag vor knapp 8000 Zuschauern siegten die Gäste in Münster mit 3:2. So nah waren die Preußen der 2. Bundesliga seither nicht mehr.
Die Saison 2001/2002 - fast abgestiegen
Mit Stefan Grädler gingen die Preußen in ihr zweites Jahr Regionalliga Nord. Doch von Beginn an lief in diesem Jahr alles falsch. Eine grausame Niederlagenserie zum Saisonstart setzte die Preußen unter Druck. Erst am siebten Spieltag gelang mit dem 3:1 gegen den Dresdner SC der erste Sieg. Doch bis zum Winter setzten sich die Adler im Tabellenkeller fest. Stefan Grädler musste gehen und wurde durch den knorrigen Briten Neale Marmon ersetzt. Und natürlich legten die Preußen personell nach: Aus Braunschweig kam Kais Manai. Der Neuzugang führte den SCP gleich im ersten Spiel nach der Winterpause zu einem 4:1 über Magdeburg.
Die Preußen in der Krefelder Grotenburg beim KFC (Endstand 1:1)
Zwar holten die Preußen unter Marmon auf, doch schwankten immer knapp um die Abstiegsplätze herum. Neben klaren Siegen wie dem 6:2 gegen Köln gab es auch immer wieder Ausrutscher wie das 1:4 in Paderborn und ein 1:3 gegen Werder Bremen II. Gerade zum Saisonschluss ging den Preußen die Luft aus: Drei Niederlagen in den letzten vier Spielen brachten am Ende den 15. Tabellenplatz - eigentlich ein Abstiegsplatz. In diesem Jahr jedoch nicht - denn aus der 2. Bundesliga stieg nur ein Klub in die Nordstaffel der Regionalliga ab. Außerdem wurde Magdeburg die Lizenz entzogen, auch der Dresdner SC blieb in der Liga. Geschafft, aber um Haaresbreite... Neale Marmon gab am Ende der Saison zu, eigentlich "gescheitert" zu sein. Blieb aber dennoch Trainer...
Die Saison 2002/2003 - alles beim Alten
Warum einmal zittern, wenn man auch zweimal zittern kann? Auch die Saison 2002/2003 bot ein ziemlich schauerliches Bild. Erst am vorletzten Spieltag rettete sich der SCP diesmal. Ein 3:2 gegen Babelsberg (die nach nur einem Jahr 2. Bundesliga wieder abgestiegen waren) bedeutete die Rettung. Die feierte allerdings nicht mehr Trainer Neale Marmon, sondern Peter Vollmann, der im Dezember den Job von Marmon übernahm. Zum Winter hin standen die Preußen mal ganz entspannt auf dem vorletzten Tabellenplatz... ein Wahnsinn zum Haareraufen.
Zwei bemerkenswerte Ergebnisse gab es immerhin. Die Preußen wurden wieder Derbysieger (2:1 gegen Osnabrück, der passende Jubel links auf dem Foto) und eines der torreichsten Spiele der vergangenen Jahre fand statt. Das 6:4 gegen Kiel war ein verrücktes Spiel - die Preußen führten nach 57 Minuten scheinbar uneinholbar mit 4:1. Und kassierten dann drei Gegentore in 18 Minuten! Es stand 4:4 nach 80 Minuten - ehe Bernd Winter und Christian Bienemann nach 89 und 91 Minuten den Sieg doch noch sicherstellten... Am Ende täuschte die Rettung nicht über eine eine erneut katastrophale Saison hinweg. Abstiegskampf im zweiten Jahr in Folge.
Rettung in letzter Sekunde! 2003/2004
Mit so viel Hoffnung startete der SCP ins vierte Jahr Regionalliga Nord. Endlich mal ein ruhiges Jahr, nur kein Abstiegskampf. Und was war? Am letzten Spiel erst sprang der SCP von einem Abstiegsplatz ans rettende Ufer.
Erleichterung nach dem 1:0 gegen Wattenscheid
Vorher musste mal wieder ein Trainer gehen. Im Winter erwischte es Peter Vollmann. Da standen die Preußen fast wie gewohnt an vorletzter Stelle - knapp vor dem hoffnungslosen VfR Neumünster. Vollmann musste gehen, es kam Hans-Werner Moors. Unter Moors starteten die Preußen mit einem 2:0 auf Schalke ins neue Jahr und legten eine ordentliche Rückrunde hin.
Eng blieb es aber wegen der ebenfalls punktenden Konkurrenten bis zum Ende. Zwischendurch gab es noch die obligatorische Niederlage gegen RWE (1:3 zuhause, Foto links zeigt die Choreo vor dem Spiel). Es lief auf das Endspiel hinaus: Wattenscheid oder Münster, nur einer würde die Klasse halten. Vor dem Spiel gab der Verein den Slogan "Männer, ihr müsst brennen" aus (Foto links). Martin Hauswald erlöste die Preußen vor rund 10.000 Zuschauern mit dem Siegtreffer zum 1:0. Durchatmen. Das dritte Jahr brutalster Abstiegskampf in Folge. Wie lange würde das gut gehen?Nicht ganz so schlimm - 2004/2005
Nicht ganz so schlimm meint hier: Abstiegskampf, aber keine Existenzangst. Erneut kamen die Preußen keinen Schritt vorwärts. Sie rangierten immer im unteren Tabellendrittel, aber nie wirklich auf den Abstiegsplätzen. Eng blieb es dennoch, aber in diesem Jahr zogen es die Preußen mit nur einem Trainer durch. Hans-Werner Moors sicherte mit seiner Mannschaft allerdings erneut erst am vorletzten Spieltag die Liga. Das war allerdings halb-bittersüß: Ausgerechnet auf der Bielefelder Alm (gegen Arminias U23) reichte ein 3:2-Auswärtssieg zum Klassenerhalt. Bielefeld II stieg ab. Es folge das torreiche 5:5 gegen Borussia Dortmund II (mit Odonkor und den späteren Preußen Uwe Seggewiß und Kurtulus Öztürk), das den Abstieg der Dortmunder zur Folge hatte und den Chemnitzer FC rettete.
Moors' Vertrag wurde nicht verlängert, hier verabschiedet er sich mit Mörtel und Müller von den Fans. Auch weg: Co Bernd Heemsoth (links). Hinten duckt sich Stefan Grädler weg.
Richtig bemerkenswerte Ergebnisse gab es in diesem Jahr nicht, irgendwie war es ein verschenktes Jahr. Keine echte Gefahr, aber null Fortschritt. Zwei Unentschieden gegen den VfL Osnabrück, zwei Siege gegen Bielefeld II, aber auch seltsame Spiele wie ein 0:5 gegen Eintracht Braunschweig oder ein 1:4 gegen den Hamburger SV II. Nein, nichts für die Erinnerung. Dabei hatte die Saison so schön begonnen: Mit einem 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf vor 8000 Zuschauern. Markus Fischer traf damals für die Preußen.
Erwischt. 2005/2006
Da war es soweit. Im Sommer 2006, als der SCP mitten in den Feierlichkeiten zu seinem 100. Geburtstag steckte, brach der Klub sportlich zusammen. Abstieg in die Viertklassigkeit nach 100 Jahren, bitterer geht es nicht.Grund war auch der Trainer. Colin Bell hieß er, kam aus Mainz, und war ein totaler Fehlgriff. Nach einem rasanten Start mit einem Spitzenspiel gegen Holstein Kiel (3:1 für die Adler) schien zunächst alles gut. Aber im Spiel der Preußen bemerkte man schon die Harmlosigkeit beim Torschuss - die Auftaktniederlage bei Hertha BSC Berlin II und das fast peinlich-ermauerte 1:0 in Jena waren eigentlich eine Warnung. Doch all diese Ahnungen gingen zunächst zwischen den Punktgewinnen unter.

Derby in Osnabrück - und die Preußen unterlagen 0:1.
Doch nach dem Derby in Osnabrück war damit Schluss. Fünf Niederlagen in Folge (!) kassierten die Preußen, eine bitterer als die nächste. Nur einen einzigen Sieg holten die Preußen zwischen August und Dezember 2005 - das muss man sich wirklich mal vorstellen. Zwischenzeitlicher Tiefpunkt war das 0:4 in Wuppertal, ein grotesker Auftritt, den Trainer Colin Bell gar nicht miterlebte. Mit einem Hörsturz lag er im Krankenhaus und wurde anschließend praktisch am Krankenbett entlassen. Neu kam... Hans-Werner Moors!
Mit Moors kam auch Sercan Güvenisik. Der Stürmer hielt auch mit seinen Toren den SCP wenigstens halbwegs im Spiel. Leider fiel er zwischenzeitlich nach einer Verletzung aus. Am drittletzten Spieltag sah alles so aus, als würde der SCP noch einmal dem Abstieg ein Schnippchen schlagen. Bei RW Oberhausen, gerade in der Vorwoche abgestiegen, schafften die Preußen einen 2:1-Sieg. Sicher 3000 mitgereiste Preußenfans sahen den Siegtreffer und das letzte Tor von Ansgar Brinkmann - und hofften auf ein gutes Ende.
Dann kam der vorletzte Spieltag, der Wuppertaler SV. Im Regen versank nicht nur das Spiel. Die Preußen führten schnell mit 1:0, kassierten aber in einer schlimmen zweiten Hälfte noch zwei Tore zum 1:2-Endstand. Angesichts des miserablen Torverhältnisses war klar: Das war der Abstieg.
Im letzten Saisonspiel gewann der SCP in Leverkusen mit 3:1, es war nur noch eine sinnlose Formalie. Sercan Güvenisik gab nach Abpfiff sein letztes Hemd für die Fans (Foto links), dann verließ er den SCP. Und die Adler stiegen in die Viertklassigkeit ab.
Dort spielen sie bis heute.


