18.05.2012
Stichwort: Regionalliga | 22.05.2011 | Kommentare

0:1 gegen Verl? Der perfekte Abschied aus der Regionalliga.

0:1 gegen Verl? Der perfekte Abschied aus der Regionalliga.
Foto: Tschüss Regionalliga, sagt der Meister. Zumindest fürs Erste.
Seien wir mal ehrlich: Erstens kratzt die 0:1-Niederlage gegen Verl ungefähr niemanden mehr. Stattdessen ist diese Heimpleite so etwas wie der logische, perfekte Schlussakkord in einem Stück mit fünf Akten und einem Allegro am Ende. Sorry wegen des musikalischen Bildes...

Schon vor dem Spiel, während der Verabschiedung der Spieler, im Blumenrausch und Applaus, schlich sich der leise Gedanke ein, dass heute andere Dinge im Mittelpunkt stehen als ein Spiel gegen Verl. Mehmet Karas Abschied war so etwas. In seinen vier Jahren beim SCP war Kara mal umstritten, mal genial, aber immer Stammspieler und häufig Publikumsliebling. Sein Spiel trieb uns manchmal die Schweißperlen auf die Stirn, seine endlosen Dribblings. Aber dann wieder trieb es uns zu Begeisterungsstürmen, wenn er mit einer Körpertäuschung durchkam, einer einfache Drehung, ein Schuss, ein Tor. An diese Augenblicke dachten vermutlich viele, als Mehmet Karas letzter Gruß in Richtung Zuschauer ging.

Und dann einfach der ganze Tag: Sommer, die Meisterehrung nach dem Spiel schon im Kopf. Das neue Trikot für die nächste Saison bereits am Körper, mehr Ausblick ins nächste Jahr als ein Spiel im Jetzt und Hier. Nein, das war kein Tag für 90 Minuten Fußball. Da war die Luft raus, die Spannung weg. Und das war auch nicht das Meisterteam, sondern ein paar Jungs, die einen letzten Tag im Preußenstadion genießen wollten.

Für die meisten Spieler geht's in der kommenden Woche nach Mallorca, dabei steht noch ein Spiel in Kaiserslautern an. Aber da es auch dort um nichts mehr geht, erlaubte der SCP diese Mannschaftstour. Es steht Schlimmes zu befürchten für den 34. Spieltag. Eigentlich ist das nicht professionell und man müsste jedem Preußenfan dringend abraten, die Tour nach Lautern mitzumachen. Aber in diesem Mai lässt man Fünfe gerade sein.

Stattdessen das 0:1 gegen Verl. Der perfekte Abschied aus der vierten Liga. Seit 1986 ist Verl fast ständiger Begleiter der Preußen und Verein gewordenes Symbol für den sportlichen Weg der Adlerträger. Verl, das ist die Poststraße, das ist irgendwo bei Wiedenbrück und Wiedenbrück ist selber, naja. Verl, der kleine Ort, steht für die meisten Fans für die Jahre in der Oberliga Westfalen. Münster gegen Verl, das war für die meisten Fans der real existierende Abstieg. Nichts gegen den gut und solide geführten Klub aus Verl, der aus seinen Möglichkeiten unglaublich viel macht. Aber Verl ist auch ein Verein, dessen Grenzen wohl am oberen Ende der Regionalliga enden. Und genau andersherum verhält es sich mit den Adlern, deren Abstieg im Laufe der Jahre diese Grenze in umgekehrter Richtung durchlässig hat werden lassen. Nicht da hingehören wollen, aber auch (lange) nicht zurückkönnen.

Und schließlich: Gerade in den vergangenen Jahren waren Spiele gegen den Sportclub aus Verl umkämpft, anstrengend. Und während Münster sich am Samstag bereits vergeblich num Leichtigkeit bemühte, war Verl so, wie Verl immer war. Unbequem. Und deswegen konnte es fast keinen symbolischeren Abschied geben als diesen letzten Tritt in den Hintern, ein Farewell von Verl. Und jetzt raus aus dieser Liga.



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