23.02.2012
Stichwort: Fans | 11.11.2011 | Kommentare

Derby, auch: Hochrisiko-Polizisten-Krawall-Derby

Am Samstag ist es also soweit. Nach 16 Jahren, sieben Monaten und ein paar zerquetschten Tagen treffen sich Preußen Münster und Arminia Bielefeld wieder. Und worüber wird in den Tagen vorher öffentlich gesprochen? Über Hundertschaften von Polizisten, über Hochrisikospiele, über Sicherheitsfragen und Ordner, über Krawalltouristen, natürlich die schlimmen Vorfälle von Osnabrück... Fußball? Eher nicht so. Das Spiel selbst, die Vorfreude auf ein echtes, das einzige Derby, wird ständig überlagert von Mahnern und Warnern, die Wert darauf legen, dass auch der letzte Zuschauer mit dem Gefühl ins Stadion geht, gleich einer explosiven, potenziell gefährlichen Veranstaltung beizuwohnen.

Damit das deutlich ist: Ein Spiel der Preußen gegen Arminia Bielefeld ist eine andere Hausnummer als ein Spiel der Preußen gegen Emsdetten 05 oder Idar-Oberstein. Wer wollte das bestreiten?

Dass in den Tagen vor der Partie aber nur noch über Polizeistrategien, Gefahrenabwehr und das "Hochrisiko" gesprochen wird, ist schade. Es widerspricht auch der Tatsache, dass der übergroße Teil der Zuschauer vor allem wegen des Fußballs kommt. Wegen des kribbelnden Gefühls, dort auf den Rängen zu stehen, um sich herum das Summen und Zittern eines ausverkauften Stadions. Wegen der puren Lust am Fußball, an einem emotionalen Derby. Nur darum geht es nämlich. Und nicht um Polizeikolonnen und Problemfans. Eigentlich müsste es genau andersherum laufen: Im Mittelpunkt müsste das Spiel stehen, müsste die Vorfreude auf das Derby stehen. Das wäre Thema genug. Die Polizeiarbeit ist eine Sache für Strategen und Planer, aber sie hat keinen Wert für den Großteil der Fans. Die müssen nur wissen, wie sie zum Stadion kommen. Der Rest ist für die Taktiktische der Einsatzleiter.

Man möchte den beteiligten Polizisten am Samstag wünschen, mit Gelassenheit an das Spiel heranzugehen. Mit schneller und konsequenter Reaktion, wo es notwendig ist, ansonsten aber mit Ruhe und Gelassenheit. Es ist immer noch Fußball, kein Krieg.

Nachtrag

In den Westfälischen Nachrichten kommentiert Dirk Anger den brisanten Samstag. Er schreibt, es sei traurig, dass hunderte Polizisten notwendig seien, um dieses Drittliga-Spiel über die Bühne zu bringen. Recht hat er damit.

Etwas schade ist allerdings, dass er dann dieses Thema mit einer völlig anderen Debatte, der um Pyrotechnik, vermischt. Jedem echten Fußball-Anhänger bleibt deshalb nur die klare Abgrenzung zu Gewalt: Dass der Deutsche Fußball-Bund bis vor Kurzem mit sogenannten Ultras über eine Erlaubnis von Pyrotechnik im Stadion verhandelt hat, war dabei leider kontraproduktiv. Gut, dass diese Geisterdebatte beendet ist, schreibt er. Zunächst einmal ging es nicht um eine grundsätzliche Erlaubnis von Pyrotechnik. Sondern darum, dass Pyrotechnik im Einzelfall nach Absprache von einzelnen Fans kontrolliert eingesetzt werden könne. Das ist etwas anderes als die Freigabe von Pyrotechnik an beliebige Fans mitten im Stadion.

"Kontraproduktiv" war diese Debatte übrigens nur insofern, dass der DFB nachweislich kein Interesse an ihr hatte, die beteiligte Faninitiative aber lange über diese Tatsache im Unklaren gelassen hat. Der Verband zog sich am Ende auf die bekannte Gesetzeslage zurück, die aus gutem Grund Pyrotechnik an Versammlungsorten verbietet. Hier war aber nicht Prinzipienreiterei gefragt, sondern eine intelligente Lösung. Wenn auf dem Send unter kontrollierten Bedingungen ein riesiges Feuerwerk gezündet werden kann, dann gibt es Möglichkeiten, außerhalb der Zuschauerränge in einem Stadion unter Aufsicht mit einer Handvoll Bengalos zu arbeiten - oder?

Damit wir uns nicht missverstehen: In dem Augenblick, in dem unbeteiligte Zuschauer in Gefahr geraten können, gibt es keine Toleranz. Ein Stadionbesuch darf für niemanden im Krankenhaus enden. Wenn ein Einsatz von Pyrotechnik innerhalb dieser engen Regel nicht möglich ist, dann ist das so. Aber: Es gab in Münster vor Jahren schon einmal ein kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik auf der Laufbahn. Das Gefährdungspotenzial dieser Aktion? Null. Solche Lösungen waren gefragt.

Wenn Dirk Anger also das Wort der Geisterdebatte verwendet, dann liegt er damit sogar richtig - nur ganz anders als vermutlich gedacht. Eine Geisterdebatte wurde es, weil sich weder der DFB noch die Polizei überhaupt auf eine echte Diskussion einlassen wollten. Das aber nur am Rande, unabhängig vom Derby...



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