18.05.2012
Stichwort: Fans | 18.02.2012 | Kommentare

Die Prisma packt heiße Elefanten an

Die Prisma packt heiße Elefanten an
Foto: Titel der aktuellen Prisma
Es ist nicht so, dass man über die Rolle der Ultras im Fußball nicht herzlich diskutieren könnte. Was die Fernsehbeilage "Prisma" allerdings in ihrer aktuellen Ausgabe veröffentlicht, treibt selbst jenen die Schamesröte ins Gesicht, die den Ultras kritisch gegenüberstehen. Detlef Hartlap, Jahrgang 1950, sonst eher für Reiseberichte und Bücher über Ostfriesland bekannt, greift das Thema für seine Leser auf. Man kann das kaum guten Gewissens einen Artikel nennen, denn das wäre eine Beleidigung für jedes leidlich recherchierte Stück. Es handelt sich stattdessen um eine bodenlose Polemik, ein unreflektiertes Pamphlet, das seinen traurigen Weg niemals in die Öffentlichkeit hätte finden dürfen.

Schon der Titel des Machwerks gibt den Tenor vor. "Die neue Macht im Stadion - Ultras als Zumutung und Gefahr". Über dem Text steht leichthin der "Elefant im Raum". Ganz so, als sei das Thema vollkommen neu, bisher aber mit einem Tabu versehen. Zugegeben, aus Hartlaps Sicht mag das zutreffen. Damit ist in jedem Fall die Richtung für das "Prisma"-Publikum vorgegeben, dem vermutlich das Wort Ultra direkt wie Hooligan klingt. Hooligans und Ultras, das vermengt Hartlap ohnehin ohne weitere Diskussion.

Bebildert ist das Machwerk - man muss sich das vorstellen - mit Fotos jubelnder BVB-Fans, einer großartigen Choreographie von Hertha-Fans ("altsowjetische Tribünenkundgebung") und natürlich dem unweigerlichen Bild brennender Bengalos. Sinnvollerweise steht ausgerechnet unter diesem Foto die schwelgerische Unterzeile "Das Licht der Ultras in aller Welt". Was soll das? Wer hat diesen Unfug abdrucken lassen?

Man muss sich dieses ganze Ding einfach anschauen. Hartlap beginnt seine Bestandsaufnahme mit der dahingeworfenen Bemerkung, das "Gespenst" verbreite allsamstaglich "Angst und Schrecken" in der Bundesliga. Das "Gespenst", das sind die Ultras, jener Geheimbund, der dem Autor ganz offensichtlich vollkommen fremd und unverständlich ist. Anders ist dieses Stück Unsinn - man kann das nicht anders nennen - nicht zu erklären. Irgendwie bringt es Hartlap fertig, Ultras pauschal als "Brandstifter" zu bezeichnen, die von den "Biedermännern", den "Bundesliga-Normalos", so lange als "folkloristische Zugabe" betrachtet werden, ehe ihnen der "Schalensitz unter dem Hintern" weggesprengt wird. Jetzt mal ehrlich, ist der Mann eigentlich noch zu retten?

Natürlich hat Hartlap Recht mit seiner These, dass Ultras gelegentlich den Eindruck verbreiten, als einzige Instanz bewerten zu können, was gut und was schlecht ist für den Fußball. Die Ultras gehen in jeder Beziehung weiter in ihrer bedingungslosen Hingabe zum Verein. Der Verein ist alles. Ja sicher. Hartlap hat auch Recht, dass im Fußball eine Minderheit für die großen Polizeieinsätze sorgt. Wer würde das bestreiten? Aber daran sind nun ausgerechnet die Ultras Schuld? Müsste man nicht auch den Anteil der Polizei selber an der Eskalation hinterfragen? Detlef Hartlap tut das nicht. Er bezeichnet die Ultras als "nützliche Idioten" und nennt das "nur eine Seite der Medaille". Das Problem: es gibt keine andere Seite für ihn.

Woran man das merkt?

Hartlap zitiert einen "bedingungslosen Unterstützer des HSV". Den zitiert er mit den Worten, es gebe selbstverständlich auch Ultras, die zu Gewalt greifen. Und Hartlap macht daraus "Gewalt als Naturgesetz: da kann man nichts machen."

Mit der gleichen Verzweiflung und Resignation möchte man die "Prisma" mit einem Bengalo verbrennen, aber es wird ja immer schlimmer. Die Ultras nehmen den Fußball in Geiselhaft. Die Ultras sind die "Imame im Fanblock". Das "Feuerwerken" sei den Ultras ebenso wichtig wie den Muslimen das Bilderverbot...

Dann bringt Hartlap es fertig, die politisch motivierte Katastrophe in Port Said, bei der über 70 Fans starben, den Ultras mit ihren Bengalos in die Schuhe zu schieben.

Auch Heysel war Schuld der Ultras, das war 1985. Dass katastrophale Planung, verfehlte Stadion-Architektur und sorglose Verantwortliche ihren Teil zu den Katastrophen beitrugen, schreibt Hartlap nicht, aber das ist kein Wunder. Denn nach fünf Spalten war kein Platz mehr. Die "Prisma" und Detlef Hartlap. Man wünschte sich, Hartlap hätte diesen "Elefanten" nicht zur Welt gebracht.



Kommentare


Mäanderthaler schrieb am 21.02.2012 um 11:24:01 Uhr
Also ich finde dass zum Artikel noch nicht alles gesagt ist: Die nach einer psychatrischen Behandlung schreiende Schwulenfeindlichkeit (»Die Gesänge entlehnen sie teils dem Hiphop, teils den traditionellen Schwulenhymnen von Queen und Pet Shop Boys«) und der ekelerregende Rassismus sollten schließlich auch mal erwähnt werden
Mehnert schrieb am 20.02.2012 um 10:08:47 Uhr
Heysel und Ultras..lachhaft...englische Hoools griffen Italiener an- die -wie damals üblich-laufen gingen und eine Massenpanik auslösten
Ansonsten ist zu dem Artikel alles gesagt


4+2=?

Gut das die Blagen frei haben-wer soll sowas denn noch im Kopf rechnen?

Warum gibts keine einfachen Aufgaben für das einfache Volk?
Hansindersahne schrieb am 19.02.2012 um 16:55:14 Uhr
Und eine nächste Ründe der verteufelung der Ultras wurde eingeleitet. Kann man dieser Beilage sowas überhaupt abnehmen? Jeder einigermaßen klardenkende Mensch sollte dazu in der Lage sein, sowas zu hinterfragen! Was bleibt, ist die Hoffnung das denen bald die Anzeigenabonennten ausgehen.

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