18.05.2012
Stichwort: Fans | 21.11.2010 | Kommentare

Ein kleines, weißes Zelt

Ein kleines, weißes Zelt
Foto: Sieht unschuldig aus, nervt aber alle: Das Zelt am Stadioneingang
Das Zelt. Wenn es Sommer wäre, könnte man mit einer Flasche Bier, meinetwegen einem Glas Prosecco, darunter stehen, aus dem Schatten die Sonne genießen. Das Stadion ist ja auch nicht der schlechteste Platz. Nur eben für dieses Zelt. Irgendetwas um die zwei mal zwei Meter, oben drauf ein Pyramidendach, schön weiß und unschuldig. Aber manchen Fans versaut es sinnbildlich den Abend und die Laune obendrauf. Denn dieses kleine weiße Zelt ist zum Symbol geworden für den Knatsch, der rund um den SCP köchelt.

Als noch frischer Tabellenführer, nach einem 3:0 gegen Köln und mit glänzenden Aussichten kann man sich der ganzen Sache vielleicht noch einmal einfacher nähern, jedenfalls einfacher als in einer Woche voller Durcheinander.

Was ist denn bloß los bei den Preußen, fragt sich mancher Beobachter. Das fragen sich die Preußenfans auch manchmal. Alles begann damit, dass nach einer gewissen Zeit der Ruhe in den vergangenen Monaten häufiger mal Bengalos im Preußenblock brannten und gelegentliche Rauchschwaden den Blick trübten. Keine neue Sache, nur war es eben zwischendurch mal etwas aus den Augen geraten. Das haben einige wohl dahingehend verstanden, sich der so oft beschworenen Fankultur zu erinnern. Verboten, aber egal. Schön sieht’s ja meistens aus. Nur der DFB, der die Preußen wegen diverser kleinerer Reibereien natürlich auch im Visier hat, fand das gemäß seiner Statuten und Regeln nicht schön und zahlen durfte wie immer der Verein.

In Wiedenbrück wurde es dann etwas intensiver und dann kam Homburg. Trotz der Hinweise des Vereins zog im Homburger Stadion etwas Qualm aus dem Preußen-Block. Wahrlich keine große Sache, schnell wieder aus, kaum mehr als ein Lüftchen. Dennoch: Es war die falsche Geste zur falschen Zeit. Man kann sich das vorstellen wie die Rote Karte im Fußballspiel: Es zählt nicht, ob der Gegner beim Foul ein gebrochenes Bein davonträgt, sondern bereits der Versuch. Der Versuch war hier der Ausdruck: Wir wissen um die angespannte Lage, es ist uns aber egal oder wir haben es kurz vergessen. Wie auch immer, am Ende blieb wieder einmal der Eindruck haften, dass einige Leute die Spielregeln – und seien sie eben noch so birnig – nicht akzeptieren wollen.

Schon am Abend nach dem Spiel machten dann Berichte die Runde, nachdem es im nahe gelegenen Landstuhl zu Auseinandersetzungen zwischen einigen Fans und Polizisten kam. Auch hier wieder: 10, 20 oder 50 Leute, das spielt für die Bewertung am Ende gar keine Rolle. Was hängen bleibt, ist immer der eine Eindruck: Die „Preußenfans“ schlagen über die Stränge.

Passend zum Thema, und weil „die Preußenfans“ natürlich ein dankbares Ziel sind, gab es dann Verwirrung um einen oder zwei beschädigte oder verschmutzte Busse. Das Busunternehmen wählte einen öffentlichen Weg, beschwerte sich bei den „Westfälischen Nachrichten“, plötzlich waren „die Preußenfans“ Aufmacher mit einer ärgerlichen Geschichte. Demnach seien zwei Busse derart verschmutzt und beschädigt, dass man diesmal gar nicht anders habe reagieren können als sich zu beschweren. Das Problem: Die Geschichte, aufgeblasen und nicht hinterfragt, zog nun Kreise. Aussage gegen Aussage: Das Busunternehmen, erfahren im Transportgewerbe, gegen vermeintlich rasende „Fans“ außer Rand und Band. Gepäcknetze, Zubehör, Türgriffe zerstört, Bus verdreckt wie nie – und daher außer Dienst für zwei Wochen. Zwei Bemerkungen: Sachbeschädigungen sind unschön, Reparaturen müssen vom Mieter gezahlt werden, kein Drama und fertig. Aber: Ein Bus, zwei Wochen außer Dienst, wegen kaputter Gepäcknetze und fehlender Ersatzteile? Die Geschichte ist doch haltlos und ein Armutszeugnis für das Unternehmen und die Berichterstattung.

Was aber aus diesem ganzen Gemenge wurde? Alles in einen Topf, plötzlich standen die Preußenfans mit Bengalos, Rauch, Prügeleien und Sachbeschädigung wieder schön am Pranger. Dann kann man sich lang hinstellen und den Unschuldigen spielen – aus so einer Situation kommt man nicht als Gewinner heraus. Schon gar nicht als Randgruppe „Fußballfans“. Hier beißt sich aber die Maus in den Schwanz: Den ganzen albernen Bus-Streit hätte nie jemand zum Aufmacher befördert, wenn nicht einige Fans sich in den Wochen zuvor bemüht hätten, die alten Vorurteile zu erneuern und zu verstärken. Ursache und Wirkung, ob es nun gefällt oder nicht. Ohne das Feindbild „Randalefans“ keine Aufmacher über verdreckte Busse, keine absurden Geschichten über verdreckte Tankstellen oder Aufkleber an Straßenschildern – wenigstens nicht auf den Titelseiten. Sondern irgendwo in der Rubrik „dumm gelaufen“ auf Seite 4 und dort selig unbeachtet bis ans Ende aller Zeit.

Nun denn: Der Verein, jetzt öffentlich unter Druck und den geltenden Regeln verpflichtet, musste reagieren. Was denn auch sonst? Er tat das mit einer Variante, die zumindest ein Kompromiss darstellt. Kein Ausschluss bestimmter Fangruppen, aber ein deutliches Warnsignal. Keine Fahnen, keine Banner, keine Doppelhalter. Das ist ein Strip für die Kurve, keine Frage. Aber noch einmal: Nicht der Verein ist hier der Buhmann, sondern Ursache sind wiederholte Verstöße gegen die Regeln. Über die Sache lässt sich ja nicht diskutieren: Im Block brannten Bengalos, das ist eine Tatsache. In Landstuhl gab es Ärger, das ist eine Tatsache. Was soll der Verein da tun? Sich schützend vor alle (oder einen bestimmten Teil) der Fans stellen? Mit welchem Argument? Da prallen Stadionregeln, DFB-Vorgaben und Polizeihinweise einfach unvereinbar aufeinander mit dem Wunsch nach einer freien Kurve.

Klar, die ganze Sache war nur mittelmäßig kommuniziert. Und dann war da die Sache mit dem Zelt (siehe oben). Eigentlich sollte es, so eine Aussage des Klubs, kein Zelt für separate Durchsuchungen geben. Und dann stand es eben doch da, zwei mal zwei Meter. Und trotzdem mit reichlich Platz für Legenden und Mythen. Vielleicht war es nur ein Missverständnis, eine dieser Kommunikationspannen. Vielleicht hatte der Klub die Anfrage nach dem Zelt so verstanden, dass nun jeder Preußenfan in einem großen Zelt durchsucht würde. Nein, so ein Zelt werde es nicht geben. Stichproben dagegen, ja natürlich. Und ok, für diese Stichproben stellt man ein kleines Zelt dahin, damit nicht jeder vorbeilaufende Zuschauer zusehen darf, wer da gerade Jacken oder Taschen oder Schuhe vorzeigen muss. Ein Zelt für Stichproben. Ja und? Taugt das zum Skandal? Die ganze Aufregung darum, ob es mit dem Zelt nun um Privatsphäre ging oder eben doch darum, Fußballfans bis auf die Haut zu untersuchen – das ist alles am Ende eher eine Geisterdebatte. Das Zelt ist nicht Ursache eines Streits, es ist Folge von wiederholten Verstößen. Die Aufregung ist da zumindest merkwürdig, denn das Zelt steht ja nicht aus Lust und Laune da herum, sondern als Konsequenz einer Entscheidung: Wir möchten in der Kurve Fußballkultur ausleben, wir kennen die rechtliche Lage, sie ist uns aber egal, weil sie unsinnig ist. Ok, aber dann muss man eben damit leben, dass es Reaktionen gibt.

Aber auf der anderen Seite: Das Zelt ist albern, überflüssig und das falsche Signal. Auf die vermeintliche Privatsphäre verzichtet vermutlich jeder, wenn es ohnehin nur darum geht, sich genauer durchsuchen zu lassen. Warum dann überhaupt das Zelt?

Vermutlich wird es in Kürze wieder verschwunden sein, still und heimlich, und bis zu diesem Tag wird sich niemand in dem Zelt entkleidet haben. Jedenfalls nicht erzwungenermaßen…

Bis es verschwunden ist, hat sich vermutlich sogar die Aufregung gelegt. Und der Rest der Geschichte versinkt dann hoffentlich im Jubel des ersten Aufstiegs seit über 20 Jahren.



Kommentare


Ingo schrieb am 28.11.2010 um 00:30:22 Uhr
ich versteh nicht ganz was du sagen möchtest, sorry?

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