18.05.2012
Stichwort: Mannschaft | 09.06.2011 | Kommentare

Personal, Panik, Pannen, reloaded

Es ist das gleiche Spektakel in jedem Jahr. Über nichts lässt sich in der Sommerpause so vorteilhaft streiten wie über die zukünftige Mannschaft. Und immer sind es die Kritiker, die Mahner, die sich Luft machen. Bei den Preußen ist das derzeit auch mal wieder so.

Da hatte der Klub langen Vorlauf, war Meister nach dem 31. Spieltag. Zeit genug, um eine ganze neue Mannschaft zusammenstellen. Mindestens. Bis zum Saisonende muss doch so eine Truppe stehen, wenn man so viel Zeit hat. Oder? Naja, es hat nicht ganz geklappt. Stand jetzt, knappe zehn Tage im Juni, ist der SCP noch entfernt von einer verbindlichen neuen Mannschaft. Hängepartien mit den vertraglich gebundenen Spielern Sercan Güvenisik oder David Fall, "erst" drei Neuzugänge, da kann man schon in Panik verfallen, glaubt manch einer.

Aber die Wahrheit ist: Gerade in diesem Sommer ist derart viel Bewegung zwischen 3. Liga und Regionalliga, dass sich selbst für totale Bummler noch Spieler finden lassen. Klar werden einige in Münster gehandelte Spieler längst andernorts unterschrieben haben. Aber wie immer ist es so, dass nur die öffentlich gehandelten Spieler aufmerksam beobachtet werden. Die nicht öffentlich diskutierten Namen sind aber vermutlich interessanter.

Egal. Wie steht denn der SCP augenblicklich da?

Die Offensive

Es gibt eine Baustelle, die wirklich eine ist. Die Offensive. Würde Sercan Güvenisik tatsächlich in den USA unterkommen, stünde der SCP mit Pollok und N'Diaye ziemlich blass da. Das ist nicht despektierlich gegenüber den beiden Stürmern, aber ob der "alte Mann" N'Diaye auch in der 3. Liga noch trifft? Ein Mann für 90 Minuten ist der bald 38-Jährige wahrlich nicht mehr. Und Pollok? Er hatte es lange schwer, überhaupt in den Kader zu rutschen. Selbst wenn er ein Knipser vom Dienst wäre, bliebe er als Stürmer irgendwie ein Einzelkämpfer. Nein, das reicht nicht und was eine Saison ohne vernünftige Alternativen im Angriff bedeutet, haben die Preußen vor einigen Jahren in der Abstiegssaison schmerzlich erfahren.

Es wäre ein ziemlicher Luxus, einen Spieler wie Güvenisik leichtfertig abzugeben. Um den Türken wird viel geredet, er steht sich oft selbst im Weg, aber immerhin hat er unbestrittene Qualitäten, die er aus verschiedenen Gründen zuletzt nicht mehr zeigen konnte. Einen solchen Stürmer ersatzlos gehen zu lassen, ist zumindest ein Wagnis. Aber Ersatz zu finden ist eben nicht leicht, nicht einmal unter all den insolventen, zwangsabgestiegenen oder sonstwie verhinderten Drittligisten.

Der Sturm ist derzeit eines der drängendsten Felder, das bestellt werden muss.

Die Seiten

Dass auch auf den Seiten eklatante Lücken herrschen, dürfte klar sein. Ist Julian Loose ein Kandidat für die Stammelf? Seit seiner Rückkehr hat er das nicht geschafft, seine Leistungen sind schwankend im besten Fall. Schnell ist er, keine Frage. Aber was macht er daraus? Seine Flanken sind mal brandgefährlich, mal unplatziert und harmlos. Ob er seine Leistung aus der 4. Liga steigern und in der 3. Liga konstant abrufen kann?

Marc Lorenz ist weg, Mehmet Kara ist weg, bleibt noch Daniel Chitsulo als Wackelkandidat zwischen Sturm und Seiten. Das ist insgesamt zu wenig.

Die Defensive

Ganz klar das Prunkstück des SCP und in der 3. Liga auch häufiger als zuletzt gefordert. Aber von allen Mannschaftsteilen dürften die Sorgen hier gering ausfallen. Aus Jena kam Jens Truckenbrod, außerdem stehen dan noch die kampfstarken Kirsch, Kühne und Ndjeng, außen Patrick Huckle und (noch steigerungsfähig) Jürgen Duah. Davor Jonathan Bourgault - das ist ein stabiles Gerüst. Gleiches dürfte auch fürs Tor gelten. Aus der 2. Liga kam Daniel Masuch, der David Buchholz voraussichtlich deutlich mehr Druck machen wird als zuletzt Manuel Lenz.

Jetzt fehlt noch einer fürs zentrale Mittelfeld, wo Massimo Ornatelli derzeit Alleinunterhalter spielt - auch keine ideale Lösung. Aber insgesamt auch kein Anlass zur Panik. Schön wäre es natürlich, zum Trainingsstart das Team komplett zu haben. Aber auch so dürfte es dem SCP wohl gelingen, eine wettbewerbsfähige Mannschaft zu stellen. So ganz chancenlos waren die Adler zuletzt ja auch nicht gerade...

Ein Wort zu Oliver Glöden. Entgegen der bekannten Aussagen, mit dem Abwehrspieler einen stark leistungsorientierten Vertrag schließen zu wollen, geht der Verein einen anderen Weg und trennt sich von Glöden. Sportlich eine legitime Entscheidung. Aber vielleicht wäre es der elegantere Weg gewesen, das nicht beiläufig und auf Anfrage zu verkünden, sondern transparent damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Wie empfindlich Fans auf Stilfragen reagieren, müsste eigentlich bekannt sein - beim SCP wie in anderen Klubs (jüngst im Fall Neuer auf Schalke). Wenn ein Verein da nicht verständlich bleibt und der Eindruck entsteht, sich nicht korrekt verhalten zu haben (selbst wenn es nur ein öffentlicher Eindruck ist), dann entsteht überflüssiger Ärger. Dabei wäre das mit ein paar freundlichen Worten so schnell zu beenden.




Kommentare


f.j.fortmann schrieb am 10.06.2011 um 13:59:19 Uhr
das einzige was meine preussen unbedigt verhindern müssen ist der sofortige abstieg es müssen noch 2.gute stürmer her ein neuer aufstieg wird so schnell nicht mer klappen das sagt ein... seit 60 jahren... preussen fan
Jack Skysegel schrieb am 10.06.2011 um 07:49:54 Uhr
Gut, nein, sehr gut. Genau auf den Punkt gebracht.

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