Den Beteiligten ist offenbar nicht mehr zu helfen. Den Fans nicht, aber dem Vorstand auch nicht. Nach den Becherwürfen im Spiel bei RW Oberhausen hat der SC Preußen am Sonntag seinen "offenen Gesprächsabend" gestrichen. Das Maß sei überschritten, Respektlosigkeit einzelner Fangruppen habe dem Abend am Dienstag die Grundlage entzogen. Respektlosigkeit? Ja, das stimmt fraglos. Die Becherwürfe waren unterste Schublade, nicht zu entschuldigen.
Aber was zum Teufel reitet diesen Verein bloß? Jetzt wird wegen des Verhaltens einiger Fans schon wieder das große Ganze in Misskredit gebracht. Was ist nur aus diesem Klub geworden? Jetzt geht erst einmal gar nichts mehr, das Tischtuch dürfte vorerst zerschnitten sein. Ein Fußball-Drama.
Anstatt den Abend vor mutmaßlich etwas kultivierterer Kulisse zu nutzen, um Wogen zu glätten, Argumente auszutauschen, belegt der Vorstand mit seiner Entscheidung nur, was ohnehin draußen in der Fanszene längst Überzeugung ist. Dass nämlich niemand einen Pfifferling darauf gibt, was in der Anhängerschaft eigentlich los ist. Das alles ist an Instinktlosigkeit nicht mehr zu übertreffen, Chaos an allen Fronten, na herzlichen Glückwunsch.
Der Vorstand muss sich ernstlich fragen lassen, was der Auftritt in der Halbzeitpause eigentlich sollte. Nur einer (!) hatte offenbar das richtige Gespür, nämlich Hannes Pfeiffer. Der hatte den offenen Vorbeimarsch an den doch ohnehin erregten Preußenfans für sich gestrichen und war schlicht andersrum gelaufen. Man darf also wohl vermuten, dass den Beteiligten ihr Verhalten zumindest bewusst war. Also warum in Gottes Namen musste das unbedingt sein, dass der Rest ausgerechnet diesen Weg vorbei am eigenen Anhang - der in diesen Tagen eher das Gegenteil ist - zu wählen? Mir will das nicht in den Kopf, so ahnungslos oder gleichgültig kann man doch gar nicht sein.
Wer in diesen Tagen versucht, einen klaren Kopf zu behalten, muss schier verzweifeln angesichts derart vieler Unüberlegtheiten. Da möchte man dem Verein zur Seite springen und der gießt nur noch mehr Öl ins Feuer.
Noch einmal: Das Verhalten einiger Fans am Samstag war einfach völlig daneben. So reagiert man sich nicht ab, auch wenn es einige Leute noch so sehr anders sehen mögen. Dass Unmut verbal artikuliert wird, geht noch an. Aber Gewalt gegen Vereinsverantwortliche ist eine Zumutung und für jeden einigermaßen intelligenten Fan eine Beleidigung.
Aber deswegen schert man als Verein doch jetzt nicht wieder alle über einen Kamm! Das ist genau das gleiche Muster wie nach dem Osnabrück-Spiel. Da wurden plötzlich allen Preußenfans die Fahnen erboten, ein ganzer Block geschlossen - alle über einen Kamm. Zumindest wurde es so empfunden und nicht anders kann diese Absage jetzt empfunden werden.
Schon in den vergangenen Tagen war der Seufzer zu hören, das Dienstagstreffen sei doch ohnehin nur Fassade. Eine Absage wie diese nun kann diese Kritik nur bestärken.
Es hätte die Gelegenheit sein können, Wogen zu glätten. Oder wenigstens sich der Kritik zu stellen - denn: Das ist eben auch die Aufgabe des Vorstands in diesen Tagen. Hört euch an, was da draußen los ist. Ganz gleich, mit welchem Recht Fans schimpfen oder ob sie völlig falsch liegen. Wenigstens anhören muss man sich das.
Der Gesprächsabend hätte eine gute Gelegenheit geboten - schon das jüngste Treffen im Hubertihof hatte das gezeigt. Aber jetzt ist erst einmal wieder alles Porzellan zerschlagen. Ich frage mich, wie aus diesen ganzen Scherben wieder etwas Vernünftiges entstehen soll.
Ein böser Verdacht keimt indes: Vielleicht erwischt es am Montag den Trainer, der nach seinem "Danke" an die Fans vermutlich den Langmut des Vorstands ausgereizt hat. Wenn es so käme, dann wäre es allerdings keine Überraschung, den Gesprächsabend erst einmal abgesagt zu haben...
Was für ein Bild geben wir da gerade ab?
Nachtrag Der guten Form halber sei erwähnt, dass der Verein das Treffen nicht ersatzlos abgesagt hat. Sondern erwähnt, dass
im Nachgang der Ereignisse ein neuer Termin über das Fanprojekt koordiniert werden könne. Morgen, morgen, nur nicht heute.
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SC Preußen Münster: Gesprächsabend abgesagtNachtrag 2
Die Zeichen verdichten sich, dass Marc Faschers Tage in Münster gezählt sind. Gut möglich, dass bereits am Montag der ganze Spuk beendet ist, indem der Trainer freigestellt wird. Das muss man gar nicht mehr groß kommentieren, es zeichnete sich ohnehin ab. Der Verlierer heißt Preußen Münster.
Nachtrag 3
Kein Tag ohne Neues. Jetzt: Die T-Shirt-Aktion von Marc Fascher. Für ihn: Vermutlich wird er geahnt haben, dass die Partie in Oberhausen mit ihrem Verlauf keine Weiterbeschäftigung garantiert. Vermutlich hat er spontan entschieden, sein vorbereitetes T-Shirt anzuziehen, um denen zu danken, die hinter ihm stehen.
Gegen ihn: So kann man sich in dieser Situation nicht benehmen. Fascher muss wissen, dass ihm eine solche Sache als Provokation ausgelegt wird. Das war zumindest unklug - diese Bemerkung aber im Wissen darum, dass es in diesem ganzen Schlamassel kaum noch ein richtig oder falsch gibt.
Dass jetzt erneut aus Vorstandskreisen scharf geschossen wird ("das war unehrenhaft"), gibt die weitere Marschrichtung vor. Fascher muss gehen, nicht erst am Saisonende. Die einzige Frage ist die, ob heute oder morgen.
P.S. Die Jena-Partie ist bereits am Montag ernsthaft gefährdet? Das ist doch, mit Verlaub, unglaubwürdig. Da geht es nur darum, einem neuen Trainer Einarbeitungszeit zu verschaffen und das hochwahrscheinliche Echo aus der Anhängerschaft zu verhindern.
Altbier-Preuße schrieb am 24.01.2012 um 23:53:59 Uhr Auch dieser Beitrag von Preußenfieber bringt es auf den Punkt! Danke!
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tim schrieb am 24.01.2012 um 12:35:23 Uhr Sehr guter Bericht, wie die anderen zuvor auch schon. DANKE
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Meisterdachs schrieb am 23.01.2012 um 19:26:22 Uhr Ein weiterer guter Artikel neben dem von Thomas Austermann bei echo münster und dem vom Blog SCHWECHT BAMBONUM. Was die WN/MZ da an Journalismus betreiben ist ja unterstes Bildniveau.
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Mehnert schrieb am 23.01.2012 um 14:37:25 Uhr Wer so behandelt wird und noch ein bischen Mensch ist zieht selber die Reißleine bevor er selber vor die Hunde geht
Andere hingegen zeigen jetzt endlich für alle sicht-und hörbar wie sie wirklich sind
Unter denen zu arbeiten muss eine Qual sein-deshalb gehen auch immer wieder Jugendtrainer
Danke Marc
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lassie schrieb am 23.01.2012 um 13:32:49 Uhr Danke Carsten,super Dingen,kommt der Fan doch noch durch,gell?;-).Daumen hch
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tednugent schrieb am 23.01.2012 um 12:49:52 Uhr Preußenfieber ist frei von jeglicher Verfilzung und hat deshalb den Luxus frei von der Seele zu schreiben und zu denken. Zum Glück gibt es noch Leute wie ihn, ansonsten wären wir wirklich dem lobbyistischen Müll einiger Pressevertreter ausgesetzt.
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schwecht.bambonum schrieb am 23.01.2012 um 10:55:59 Uhr an mein herz, du held! ganz, ganz grosses kino dieser beitrag!!!!
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Martin (Preussenstadion.de) schrieb am 23.01.2012 um 10:37:20 Uhr Der Beitrag passt. So langsam aber sicher weiß ich nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll....
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Henk schrieb am 23.01.2012 um 10:24:33 Uhr Gut geschrieben, Preussenfieber. Erwähnenswert finde ich noch die bodenlose Frechheit von Carsten Gockel, Marc Fascher "unehrenhaft" zu nennen. Ein absoluter Witz. So sägt man den Ast ab, auf dem man sitzt.
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Spielertrainer schrieb am 23.01.2012 um 09:52:41 Uhr Auf den Punkt gebracht! Gut geschrieben.
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Mehnert schrieb am 23.01.2012 um 09:52:37 Uhr Hätte ich wieder nicht erwartet-Respekt
Trotzdem kann man verstehen das sie dies Treffen abgesagt haben.Außerdem wird das Treffen wohl anders organisiert werden denke ich.Wie sollen die Herren auf 764 Fragen antworten?
Abgesehen davon hätte ein Treffen nichts nach hínten geändert und nach vorne nur minimal-nämlich das man vorsuchtiger agieren muss und es besser verkaufen muss
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Martin schrieb am 23.01.2012 um 07:17:13 Uhr Vielleicht haben sie ja auch einfach gehofft, halbwegs unerkannt da durch zu kommen? Vielleicht ein paar Rufe ernten, das war es dann aber auch.
Der Vorwurf hingegen, dass Höing seine Tochter missbrauche, ist allerdings bodenlos.
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terrier schrieb am 23.01.2012 um 03:33:20 Uhr Fein, Herr Schulte! Und die letztliche Schlussfolgerung, das, was Ihnen noch "nicht in den Kopf will", ist wohl leider tatsächlich die bittere Erkenntnis, dass man nur für eine moralisch stichfeste Argumentationsbasis vor nichts zurückschreckt. Dafür liefert man offensichtlich sogar Kinder wissentlich diesem Spannungsfeld aus. Das klingt unglaublich, und offenbart einen erschreckenden Charakter, der, wohlwollend formuliert, nicht viel besser sein kann als der von Becherwerfern.
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superhelga schrieb am 22.01.2012 um 23:23:14 Uhr und wieder mal ein kommentar, von dem sich alle rellmanns, heflixs usw. dieser welt mal ne scheibe abschneiden sollten.
auf den punkt gebracht!
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