18.05.2012
Stichwort: Mannschaft | 21.06.2011 | Kommentare

Preußen Münster und der Fall Güvenisik

Preußen Münster und der Fall Güvenisik
Foto: Sercan Güvenisik
Gut möglich, dass dieser Text in Kürze doch wieder überholt ist. Dann nämlich, wenn sich der (heimliche?) Traum des Sercan Güvenisik erfüllt und er in die USA zu San Jose wechseln könnte. Noch hat der Stürmer allerdings einen bis 2012 laufenden Vertrag beim SCP und von Sportvorstand Carsten Gockel die klare Ansage, sich jetzt zum SCP zu bekennen - oder in jedem Fall seine Lage zu klären.

Nun hat Güvenisik nach eigener Aussage den US-Amerikanern selber eine Frist gesetzt und darum gebeten, über eine mögliche Verpflichtung zeitnah zu entscheiden. Einiges deutet darauf hin, dass diese Entscheidung derzeit nicht gefällt werden kann und Güvenisik in Münster bleibt.

Beim Auftakttraining in der vergangenen Woche war Güvenisik pünktlich da und drehte planmäßig seine Runden. Stattdessen gibt es jetzt Aufregung bei manchen Fans, jedenfalls bei denen, die ihren Unmut öffentlich äußern. Güvenisik habe sich mannschaftsschädlich verhalten, sei nicht integrierbar, ein Störfaktor, irgendwie aus den Führungsetagen des Klubs mit großem Druck in den Kader gepresst worden - die Liste der Vorwürfe und Mutmaßungen ist lang und gelegentlich auch sehr unschön. Aber was spielt das am Ende für eine Rolle?

Die Fakten: Sercan Güvenisik bringt unbestritten Qualität für die 3. Liga mit. Gerade angesichts des mehr als knapp besetzten Offensivspiels der Preußen ist eine Debatte über den Rauswurf von Güvenisik eigentlich ein absurdes Theater. Die Alternativen im Angriff derzeit heißen Babacar N'Diaye. Mit 38 Jahren immer noch mit dem Riecher fürs Tor, fraglos, aber ein verlässlicher Stürmer für 38 Spieltage und 90 Minuten? Sein Nebenmann ist Wojciech Pollok, der es seit seinem ersten Einsatz für Münster nicht nachhaltig in die Stammelf schaffte - aus ganz verschiedenen Gründen - und der erst ins Team rutschte, als Güvenisik aus sport- und teampolitischen Gründen nicht mehr eingesetzt wurde.

Dann wäre da noch der in seinen Leistungen stark schwankende Daniel Chitsulo, der aber kein klassischer Stürmer ist. Und das war es dann. Das ist bei allem Respekt den Spielern gegenüber kein Angriff für die 3. Liga. Und schon unter diesen Gesichtspunkten wäre ein Abschied von Güvenisik rein sportlich ein Witz.

Ja, aber.

Genau. Güvenisik hat seinen eigenen Kopf, nicht immer im Sinne des Teams oder des Trainers. Dass er nicht selten von seinen Klubs im Unfrieden oder wenigstens Stirnrunzeln geschieden ist, mag stimmen. Dass er sich im vergangenen Jahr eine Undiszipliniertheit leistete (Rote Karte, nachdem er einen Gegenspieler bespuckt hatte), wird ihm seither vorgehalten. Aber zunächst einmal wurde Güvenisik zuvor ziemlich böse gefoult und provoziert und zweitens passiert so etwas halt. Nicht schön, aber auch nicht anders als in vielen anderen Klubs während einer Saison.

Und dann war da noch ein Trainingszwischenfall, Stress am Ball, Ärger, Handgreiflichkeiten. Auf die Gefahr hin, das herunterzuspielen: Na und? Es gibt immer solche Momente, wenn 22 Männer täglich miteinander trainieren. Meistens wird das einfach intern besprochen, selten - und in weit prominenteren Fällen (Ribery, Matthäuse etc.) dringt das an die Öffentlichkeit. Aber eigentlich ist der Anlass läppisch.

Der springende Punkt ist: Aus ganz unterschiedlichen Typen eine Mannschaft zu formen, die am Ende gemeinsam ein Ziel verfolgt, ist Aufgabe des Trainers. So einfach ist das. Selbst wenn es auf dem Weg dahin Bodenwellen gibt oder andere Probleme, so kommt es am Ende immer aufs Gleiche hinaus. Es muss möglich sein, verschiedene Persönlichkeiten in einer Mannschaft unterzubringen. Alles andere wäre ein Witz.

Dass Güvenisik selber seinen Teil dazu beitragen muss, liegt auf der Hand. Aber ist Güvenisik wirklich der Störenfried, zu dem ihn jetzt einige Fans machen? Wohl kaum. Und alles andere ist Gerede und Aufschaukeln.



Kommentare


Porsche schrieb am 23.06.2011 um 19:27:44 Uhr
Richtig, Fieberchen.
Eine Mannschaft zu formen ist Aufgabe eines Trainers.

Was Du alerdings als Gerüchte und Mutmaßungen bezeichnest, ist längst bewiesen. Bedrohungen, Faustschläge sind nicht zu verharmlosen und führen auch in anderen Vereinen definitiv zu Trennungen.

Und um eine Mannschaft zu formen muss man eben auch die Möglichkeit haben bei der kaderzusammenstellung auf die verschiedenen Charaktere aufzupassen. Nur, dass Fascher hierbei Güve keine Wahl hat. Und ja: Es hat Druck gegeben Güve spielen zu lassen. Auch, wenn das viele nicht wahrhaben wollen.

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