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SpVgg Erkenschwick - SC Preußen 0:4
OL Westfalen
Saison 2006/2007, 3. Spieltag | 27.08.2006
SpVgg Erkenschwick: Jörgens - Damnitz, Lemke, Mustroph, Kasperidus (57. Schajor) - Allali, Yavuzaslan, Westerhoff, Althaus - Setzke, Warncke (54. Bendig)
SC Preußen: Joswig - Wersching, Talarek, Matlik, Caspers - Siedschlag, Thamm, Seggewiß, Piorunek (84. Toku) - Gurzynski (89. Figueiredo), Mayer (64. Sowislo) (Trainer Georg Kreß)
Tore: 0:1 Caspers (15.), 0:2 Gurzynski (45.), 0:3 Seggewiß (65.), 0:4 Seggewiß (87.)
Zuschauer: 3000
Stadion: Stimberg
Schiedsrichter: Heiko Schneider (Bochum)
Gelbe Karten: Yavuzaslan / Mayer, Thamm
Die größe Kulisse des Tages war natürlich in Erkenschwick zu finden. Unter den rund 3000 Zuschauern sicherlich auch etwa 800 Preußenfans, die über 90 Minuten das Stimmungsduell klar beherrschten. Unter den altehrwürdigen Tribüne des Stimbergs war eine prima Stimmung.
Spielbericht
Es gibt Anzeichen dafür, wenn die Erleichterung besonders groß ausfällt. Dass Preußens Trainer Georg Kreß nach dem Schlusspfiff vor dem Preußenblock praktisch herumsprang wie ein Flummi, ist eines davon.
Er hatte allen Grund. Denn am dritten Spieltag bewies der SC Preußen endlich, warum ihn viele Trainer zum Aufstiegskandidaten Nummer Eins gekürt hatten. Über 90 Minuten, mal abgesehen von fast 20 Minuten vor der Pause, war der SCP Herr im Erkenschwicker Haus. In der zweiten Halbzeit spielte der SCP besonders klar: Erkenschwick war da nicht mehr zu sehen.
Bereits nach gut 15 Minuten hatte Preußens Linksverteidiger Dirk Caspers den Ball trocken ins lange Ecke gehämmert. Damit war das Signal zum Angriff gegeben. Erkenschwick gab sich nicht auf, hielt dagegen, aber erspielte sich dabei bis zur Pause keinerlei echte Chancen. Kurz vor der Pause musste Michael Joswig im Preußentor aber dann doch einmal aufpassen: Setzke scheiterte mit seinem Kopfball am Keeper, der den Ball gerade noch zur Ecke abwehren konnte.
Im Gegenzug besiegelte dann der SCP die Niederlage: Adrian Gurzynski traf zum 2:0, fast direkt mit dem Pausenpfiff.
Nach dem Wechsel bestimmte der SCP die Partie klar und schaukelte das Ganze schön locker herunter. Trotz des Ausfalls von Ansgar Brinkmann und Alexander Ende war der SCP die klar bestimmende Mannschaft. Und zum Held der zweiten Hälfte wurde Uwe Seggewiß, der ehemalige Dortmunder. Zwei wunderbare Tore erzielte der Mittelfeldmann, der bislang beim SCP noch nicht auf Betriebstemperatur war. Das 4:0 am Stimberg rief Erinnerungen an alte Duelle mit den Erkenschwickern wieder wach - auch früher gingen die Spiele zwischen beiden Teams meist für den SCP besser aus.
Der Sieg (natürlich der höchste Tagessieg) ist auch ein Ausrufezeichen an die übrigen Mannschaften: Der SCP ist scheinbar aufgewacht. Na, dann mal viel Spaß...
WAZ vom 28.8.2006
Stimberg-Elf puscht die Preußen
Oer-Erkenschwick. Zeitweise tanzte er fast wie Rumpelstilzchen an der Seitenlinie, so sehr missfiel SpVg Erkenschwicks Trainer Manfred Wölpper, was er da auf dem grünen Rasen sah. Doch irgendwie passte das auch einfach zum Wetter: Vor Spielbeginn öffnete der Himmel seine Schleusen ganz mächtig. Und nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Heiko Fischer tat er es erneut: Fast schien es so, als würden auch viel weiter oben mächtig Tränen vergossen über die 0:4-Schlappe gegen den Regionalliga-Absteiger, die man so am Stimberg ganz bestimmt nicht erwartet hatte.
"Den Spielverlauf hatte ich mir ganz anders vorgestellt", sinnierte Wölpper 20 Minuten nach dem Abpfiff - und das noch immer sichtlich "angefressen". Denn: "Die Mannschaft spielt momentan nicht, was sie kann. Einige sind nicht zu sehen, wenn Sturm aufkommt." Wobei dieser Sturm von den Schwarz-Roten eigentlich selbst entfacht wurde, weil sie einfach nur vor den Preußen kuschten. Und dieses Geschenk nahmen die Münsteraner - natürlich - dankend an. Vor allem in den ersten 30 Minuten, wie auch Preußen-Coach Georg Kreß resümierte: "In den ersten 30 Minuten haben wir hervorragenden Fußball gespielt, ein hohes Tempo vorgelegt, in der letzten Viertelstunde leider etwas nachgelassen." Und deshalb war er besonders dankbar, dass die Gastgeber genau in dieser Viertelstunde ihre Chancen (Althaus, 40., Mustroph, 45.) nicht nutzten, stattdessen in der Nachspielzeit den Preußen quasi die Entscheidung förmlich auf dem Silbertablett servierten. Denn Adrian Kurzynski, der nach 15 Minuten das 0:1 markiert hatte, bedankte sich für Sven Ole Lemkes Kopfball-Vorlage Sekunden vor dem Pausenpfiff gern mit dem 0:2.
Und genau das holte alle auf den Boden der Tatsachen zurück, die noch Hoffnungen gehegt hatten. Der Erkenschwicker Block wurde mucksmäuschenstill, der der Preußen um so lauter. Und am Ende war auch nur noch der Anhang aus Münster zu hören, weil der vom Stimberg einfach mehr keine Anlässe dazu fand, sich lautstark zu artikulieren. "Wir werden versuchen, die Mannschaft aufzurichten. Aber einige müssen sich schon an die Brust klopfen und ihre Fehler eingestehen. Das war eine Einstellung ohne Leidenschaft und Herzblut. Wenn mal Zuschauer da sind, muss man auch seine Fähigkeiten abrufen. Der Funke muss von der Mannschaft auf die Zuschauer überspringen."
Und die hat zunächst einmal viel Kredit verspielt. Just das ist es auch, was den Coach so nervt. Denn viele Enttäuschte werden die Spiel der Schwarz-Roten wohl erst dann wieder besuchen, wenn die sich rehabilitiert haben. Und mit nur einem Sieg ist die Enttäuschung wohl kaum vom Tisch gefegt, befürchtet Wölpper.
Der aus verständlichen Gründen auch die von Kreß so hoch gelobte "tolle Atmosphäre" überhaupt nicht genießen konnte, zumal die ja ausschließlich von den Preußen und den Treffern von Uwe Seggewiß zum 0:3 und 0:4 (65./87.) forciert wurde. Denn spätestens nach dem 0:3 hatte sich sein Team sich auch weitestgehend schon selbst aufgegeben.
Was bleibt ist die Erkenntnis: Auch Münster ist endgültig in der Liga angekommen nach enttäuschendem Start, aufgebaut von einer Stimberg-Elf, die erst mal wieder in einer Talsohle steckt.
Quelle: WAZ vom 28.8.2006
Weitere Berichte
Ratlos schauten sich die beiden Innenverteidiger an, wobei vor allem Lemke das 49. Punktspiel der Spvgg. gegen den alten Rivalen in bleibender Erinnerung behalten wird. Sein "Klops" kurz vor der Pause zum 0:2 bedeutete schließlich die Vorentscheidung. Aber was bedeutete das schon? Erklärungsversuche wollte der Marler erst gar keine starten. "Das darf natürlich nicht passieren, keine Ahnung, was los war", so Lemke, der frank und frei sagte: "Was soll ich sagen? Nach einem 0:4 gibt es keine Argumente."
Die hatte dafür sein Trainer. Manni Wölpper schaute während der Pressekonferenz so sauertöpfisch drein, als hätte er selbst die vier Gegentreffer verursacht. Der 48-Jährige wusste gar nicht, wo er mit seiner Kritik anfangen sollte, und in Anbetracht des nagenden Frustes zog er es wohlweislich vor, die Kritik so global wie möglich zu halten. "Eigentlich", so der Trainer, "haben wir nach der guten Vorbereitung gehofft, eine gute Saison zu spielen." Nur: Die Mannschaft steht sich offenbar selbst zu sehr im Wege.
Aus Vierer- wird eine Achterkette
"Alle, die vor wenigen Wochen noch absolute Leistungsträger waren, stecken jetzt im Loch." In der Tat blieb die Zahl der Lichtblicke in einem erstaunlich kleinen Rahmen. Auf beiden Flügeln brannte es mitunter lichterloh, Entlastung im Spiel nach vorne gab es so gut wie keine. "Weil wir nicht mit einer Vierer-, sondern mit einer Achterkette gespielt haben", ärgerte sich Wölpper, der am Ende gar sogar so weit ging, einen ansonsten stets zuverlässigen Spieler wie Philipp Kasperidus auszuwechseln. "Kasper", so Wölpper, bot schließlich das Paradebeispiel, wie man es eben nicht machen dürfe: "Dennis Warncke sollte Linksaußen spielen und war plötzlich Linksverteidiger, weil Kasperidus nur im Raum gestanden und gar nicht erst den Zweikampf gesucht hat. Keiner auf dem Platz hatte die Traute, sich im direkten Duell dem Gegner zu stellen, immer wurde beim Nebenmann Hilfe gesucht und die Verantwortung abgewälzt." Wölppers Fazit: Mit solch einem Angsthasenfußball ist in der Oberliga Westfalen kein Blumentopf zu gewinnen.
Dabei stimmte im Vorfeld doch alles: 3000 Zuschauer boten eine fantastische Kulisse, und wer nicht im Spiel gegen Preußen Münster brennt, wer will heiß sein, wenn es gegen Rheine um die ersten "Big Points" geht? "Der Funke muss von der Mannschaft auf die Tribüne überspringen und nicht umgekehrt", sagt Wölpper. Es ist müßig zu erwähnen, dass es gestern fast ausschließlich die Preußen-Fans waren, die für Stimmung sorgten.
Wozu sie auch allen Grund hatten. So energisch, zweikampfstark und ballsicher hatten sich die Münsteraner in der bisherigen Saison noch nicht präsentiert. Der selbst ernannte Aufstiegsfavorit gab gestern am Stimberg damit eine eindrucksvolle Visitenkarte ab. Doch auch das, sagt der Erkenschwicker Trainer, dürfe einfach nicht als Entschuldigung herhalten. Vergeblich hatte er gehofft, dass seiner jungen Truppe beim frühen Saison-Höhepunkt Flügel wachsen würden.
"Wenn ein Gewitter herauf zieht, kommen die Adler raus. Die Spatzen verkriechen sich aber", wurde Wölpper am Ende auch noch lyrisch. Ein besseres Bild hätte er damit nicht finden können. Das Wappentier des SC Preußen ist der Adler. Und dass es zehn Minuten vor dem Anpfiff auch noch kräftig donnerte, passte ebenfalls. Zunächst grollte der Himmel. Am Ende grollte nur noch Manni Wölpper.
Statistik und weitere Spiele
Insgesamt
55 Spiele gegen SpVgg Erkenschwick vorhanden, davon bislang
14 Niederlagen,
11 Unentschieden und
30 Preußensiege.
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